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Gefragte Mitarbeiter

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Dienstag, 12. Juni 2018, 12:29 Uhr

IHK-FACHKRÄFTEMONITOR

 

Gefragte Mitarbeiter

Die Rente mit 63 verschärft den Mangel an Fachkräften. Die BIHK-Studie kritisiert den "Akademisierungswahn".

 

Dem Freistaat fehlen derzeit 265.000 qualifizierte Fachkräfte, so die Erhebung des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages (BIHK). Gesucht werden besonders Mitarbeiter mit einer beruflichen Ausbildung (236.000 fehlende Fachkräfte), dagegen fällt die Lücke bei den akademischen Berufen entgegen der landläufigen Meinung deutlich geringer aus (29.000 fehlende Fachkräfte). Während aktuell vor allem die gute konjunkturelle Lage für eine angespannte Lage sorgt, wird in Zukunft in erster Linie die demografische Entwicklung dafür verantwortlich sein. Daran wird auch ein verstärkter Zugang in manche bayerische Regionen nichts ändern.

 

Wenn die Babyboomer-Generation ab dem Jahr 2020 verstärkt in Rente gehen wird, wird sich der demografische Aspekt besonders auswirken. In einigen Regionen des Freistaats ist der demografische Wandel bereits deutlich früher zu spüren. Der Norden Bayerns ist stärker betroffen als der Süden, ländliche Regionen stärker als Ballungszentren.

 

Mitarbeiter mit Berufsausbildung gesucht

Für das Jahr 2030 prognostiziert der IHK-Fachkräftemonitor einen Mangel von insgesamt  364.000 qualifizierten Personen im Freistaat. Auch dann werden es vor allem die beruflich qualifizierten Mitarbeiter sein, die von den Unternehmen händeringend gesucht werden. Der Unterschied zur heutigen Situation: Aktuell fehlen hauptsächlich Techniker mit einer Berufsausbildung und oder mit einem Meisterabschluss, in rund 20 Jahren wird sich besonders das Fehlen von kaufmännischen Kräften mit beruflicher Ausbildung sowie mit Qualifikationen als Fachwirt oder Fachkaufmann bemerkbar machen. Ein Drittel der Stellen für Akademiker, die derzeit in Bayern nicht besetzt werden können, entfällt auf Elektroingenieure, so ein Ergebnis des Fachkräftemonitors, den die bayerischen IHKs gemeinsam mit dem Wirtschaftsforschungsinstitut Wifor GmbH entwickelt hatten. Außerdem fehlen rund 5.500 Wirtschaftswissenschaftler. In den kommenden Jahren wird das Angebot an Akademikern etwa im gleichen Maße wie die Nachfrage steigen, sodass sich der Mangel bis zum Jahr 2030 nicht verschärfen dürfte.

 

Aktuell gibt es besonders in folgenden Branchen und Tätigkeitsfeldern Probleme, in ausreichender Zahl qualifizierte Mitarbeiter zu finden: Mechatronik, Automatisierungstechnik, Maschinenbau und Elektrotechnik, Forschung und Entwicklung sowie wirtschtschaftsnahe und beratende Dienstleistungen (z.B. Ingenieurbüros, IT-Agenturen und Unternehmensberatungen).

 

Bei der Vorstellung der Zahlen erklärte Peter Kammerer, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK für München und Oberbayern, der Fachkräftemonitor gehe bei den Berechnungen von dem gesetzlichen Renteneintrittsalter aus, der stufenweise von derzeit 65 auf 67 Jahre steigt. Er kritisierte deshalb die Rentenpläne der Budesregierung, die die Probleme bei der Sicherung des Fachkräftebedarfs in den nächsten Jahren deutliche verschäfer würden. "Die Rente mit 63 ist kontraproduktiv und wirkt sich gerade für die mittelständischen Unternehmen besonders negativ aus", so Kammerer. Die BIHK-Studie fordert auch eine neue Ausrichtung in der Bildungspolitik. "Der Akademisierungswahn muss aufhören, denn es fehlen sowohl heute als auch in Zukunft hauptsächlich beruflich qualifizierte Arbeinehmer und nicht Akademiker", betonte Kammerer.

 

Der IHK-Fachkräftemonitor ist im Internet abrufbar und ermöglicht die kostenlose Recherche nach Berufsgruppen, Branchen und Regionen sowie nach bestimmten Zeiträumen.

 

www.ihk-fachkraeftemonitor-bayern.de


 

Quellen:

IHK Nürnberg für Mittelfranken
wim - Wirtschaft in Mittelfranken 05/2014